Nach 1990 ging die Nachfrage nach regionalem Obst aus Streuobstbeständen drastisch zurück, da jetzt auch im Osten Deutschlands ganzjährig preiswertes Obst aus der ganzen Welt verfügbar war. Durch die ausbleibende Nutzung wurden die Streuobstanlagen kaum noch gepflegt und auch nicht durch Nachpflanzungen verjüngt. Die Pflege von Streuobstbeständen ist bis heute nur im Ausnahmefall Gegenstand von öffentlichen Förderungen. In der Folge brechen überalterte Bäume weg, Streuobstwiesen verbuschen und wertvolle Biotope gehen somit verloren.

Im August 2018 starteten die drei LEADER-Aktionsgruppen Saale-Holzland, Saale-Orla und Saalfeld-Rudolstadt das Kooperationsprojekt Streuobstnetzwerk Ostthüringen. Ziel des Projektes ist es, die zahlreichen noch vorhandenen Streuobstbestände mit mehreren zehntausend Bäumen zu pflegen, zu nutzen und damit zu erhalten.

Dazu finden in den beteiligten Regionen regelmäßige Stammtischrunden zur Vernetzung der Akteure und zum Erfahrungsaustausch statt. Praktisches Wissen zur Baum- und Grünlandpflege und zur Veredelung wird in praxisorientierten Kursen vermittelt. Seminare zu Sortenkunde (Pomologie) und öffentliche Sortenbestimmungen stoßen auf großes Interesse, zunehmend auch bei jüngeren Menschen. Um die inzwischen spürbar ansteigende Nutzung des Streuobstes zu verstetigen, werden z. B. lokale Kleinmostereien durch Führungen und Verkostungen unterstützt und so bekannter gemacht. Ein Effekt der Bemühungen ist, dass das Netz der Kleinmostereien in den letzten Jahren in Ostthüringen stark angewachsen und Vorreiter in Thüringen ist.

Ein weiteres Anliegen des Projektes ist es, eine – derzeit nirgends vorhandene – Übersicht über die in der Region existierenden Obstsorten und den Zustand der Bäume bzw. Streuobstwiesen zu erstellen. Hierzu wurde eine Streuobst-App entwickelt, mit der Streuobsteigentümer und Nutzer die Baumbestände eigenständig GPS-gestützt kartographieren können.

Mitglieder des Netzwerkes sind vor allem Privatpersonen, Dienstleister rund um den Obstbaum, Behörden, Vereine/Verbände, Imker und Bildungseinrichtungen. Sie werden in den Regionen von drei Regionalkoordinatoren betreut und unterstützt. Eine hauptamtliche Gesamtkoordination in Trägerschaft des Ländliche Kerne e.V. führt unter anderem die Daten zusammen, arbeitet auf Landesebene, koordiniert die Öffentlichkeitsarbeit und pflegt die Internetseite.

Weitere Infos: www.streuobst-thueringen.de

Eckdaten:

  • Kooperation der LEADER-Regionen Saale-Orla, Saale-Holzland und Saalfeld-Rudolstadt
  • Projektträger: Ländliche Kerne e.V.
  • Gesamtinvestition: 98.176,24 €
  • Fördersumme: 43.863,47 € bewilligt (insg. 73.632,18 € erforderlich)
  • Finanzierung eigeanteil durch LEADER-Aktionsgruppen
  • entstandene Arbeitsplätze: 0,375 Personalstelle
  • Laufzeit bzw. Umsetzungszeitraum 07.2018 bis 05.12.2020 (bzw. bis 18.07.2021)