Pressemitteilung des TMIL vom 3.8.2020

„Unsere ländlichen Räume sind lebendig und aktiv. Hier werden Ideen geboren, Pläne in die Tat umgesetzt und manchmal auch Träume verwirklicht. Das gibt vor allem dem sozialen Leben in den Dörfern neuen Schwung. Mit der LEADER-Förderung haben wir ein adäquates Instrument, um Ideen und Initiativen, die aus der Mitte der Gesellschaft heraus kommen, finanziell zu unterstützen. Jetzt in der Ferienzeit bietet sich eine gute Möglichkeit für die Bürgerinnen und Bürger, so realisierte Projekte in der eigenen Nachbarschaft zu besuchen“ so Minister Prof. Dr. Benjamin-Immanuel Hoff.

„LEADER in Thüringen. Heimat gemeinsam gestalten“ lautet der Titel einer jüngst erschienenen Broschüre, die einen Einblick in die LEADER-Förderung in Thüringen gibt und dazu anregt, sich von den Projekten „nebenan“ selbst ein Bild zu machen. Konkret werden 20 ausgewählte Projekte aus den Bereichen „Tourismus, Naherholung und Kultur“, „Bildung, Jugend und Gemeinschaft“, „Daseinsvorsorge und regionale Wertschöpfung“ sowie Kooperationsprojekte vorgestellt, die in der aktuellen Förderperiode realisiert wurden.

Da ist beispielsweise der „Südharzer Dampflok Steig“, der aktiv dazu beitragen soll, dass die Harzer Schmalspurbahn zwischen Nordhausen und Sophienhof mehr Fahrgäste begrüßen kann. Auf 42 Kilometern Länge führt der Qualitätswanderweg „Südharzer Dampflok Steig“ durch die einzigartige Landschaft Nordthüringens. Besonderheit des in drei Etappen unterteilten Wanderweges ist, dass am Ende jeder Etappe ein Haltepunkt bzw. Bahnhof der Harzer Schmalspurbahn erreicht werden kann. Für den Ausbau des Wanderweges erhielt der Landkreis Nordhausen als Projektträger 27.000 Euro aus dem LEADER-Programm.

Touristisch attraktiver wird es auch rund um den Alperstedter See nördlich von Erfurt. In dem Naherholungsgebiet hat der ansässige Verein „Club maritim Erfurt e. V.“ u. a. mit Hilfe von rund 75.000 Euro aus der LEADER-Förderung einen Steg mit schwimmenden Hütten errichten lassen, die nicht nur eine besondere Übernachtungsmöglichkeit bieten. Sie sind zugleich Auftakt für mehr Angebote für Wassersportler und Touristen.

Genuss hat mit Unterstützung von LEADER-Mitteln im Café RHEM in der Rhön eine neue Heimat gefunden. In einem ehemaligen Autohaus in Dermbach hat das ortsansässige Familienunternehmen Pfaff eine moderne Produktionsstätte für Speiseeis und einen neuen Fixpunkt für Eisliebhaber geschaffen. Mit einem Eiscafé steht nicht nur der Genuss im Fokus, auch der Blick für die heimische Landwirtschaft und regionale Wertschöpfung wird geschärft. Dabei geht das Café RHEM mit gutem Beispiel voran: Die Rohstoffe für das Eis stammen überwiegend aus der Region, eine Kooperation besteht u. a. auch mit Viba Sweets aus Schmalkalden. Das Projekt wurde mit rund 99.000 Euro LEADER-Fördermitteln bezuschusst.

In Ostthüringen wird ein in Vergessenheit geratener Naturschatz wiederbelebt. Hier wurde in Kooperation der Regionalen Aktionsgruppen (RAGn) Saale-Holzland, Saale-Orla und Saalfeld-Rudolstadt das Streuobstnetzwerk Ostthüringen aufgebaut. Ziel des Netzwerkes ist es, die Streuobstbestände, die mehrere zehntausend Bäume umfassen, zu erhalten, indem sie wieder gepflegt und vor allem genutzt werden. Die beteiligten LEADER-RAGn bringen dafür alle Beteiligten regelmäßig zusammen, damit Erfahrungen ausgetauscht, Kontakte geknüpft und gepflegt werden, aber auch Praxiswissen vermittelt wird. Darüber hinaus werden über eine eigens entwickelte App die Streuobstwiesen, Baumbestände, deren Zustand und die Obstsorten erfasst. Die Gesamtkosten, des vom Ländliche Kerne e. V. Getragenen Projektes belaufen sich auf rund 98.000 Euro, von denen insgesamt mehr als 73.600 Euro aus LEADER-Fördermitteln gespeist werden sollen.

Das Förderprogramm LEADER, das im Deutschen für „Verbindung zwischen Aktionen zur Entwicklung der ländlichen Wirtschaft“ steht, wird mit Mitteln aus dem Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER) sowie des Freistaates Thüringen gespeist. Mit LEADER sollen bewusst Maßnahmen, Projekte und Initiativen im ländlichen Raum unterstützt werden, die von der Bevölkerung vor Ort entwickelt wurden und einen Beitrag für mehr Lebensqualität und einen zukunftsfähigen ländlichen Raum leisten. LEADER fördert also von den Menschen vor Ort mitgetragene regionale Entwicklungskonzepte (Bottom-up-Ansatz).

Das zu gewährleisten und genau solche Projekte aufzuspüren, zu begleiten und zu unterstützen ist Aufgabe der Regionale Aktionsgruppen (RAGn) des LEADER-Programms. In Thüringen gibt es 15 dieser RAGn entsprechend der 15 LEADER-Regionen, die den gesamten ländlichen Raum in Thüringen abbilden und für die jeweils eigene regionale Entwicklungsstrategien erarbeitet wurden. Die RAGn bringen die gesellschaftlich relevanten Akteure vor Ort zusammen und entscheiden gemeinsam mit ihnen über den Einsatz der zur Verfügung stehenden Fördermittel, aufbauend auf den Prinzipien der jeweiligen Entwicklungsstrategie.

In Thüringen stehen in der aktuellen Förderperiode rund 50 Mio. Euro LEADER-Fördermittel zur Verfügung. In 2019 wurden 400 Projekte mit insgesamt ca. 8,3 Mio. Euro LEADER-Mitteln unterstützt. Im laufenden Haushaltsjahr erhielten bislang 396 Projekte eine Förderung von insgesamt knapp 9,2 Mio. Euro.Gefördert werden bis zu 75 % der förderfähigen Ausgaben eines Projektes. In der aktuellen Förderperiode wurde zudem die Möglichkeit geschaffen, dass auch kleine Projekte (bis max. 5.000 Euro Förderkosten) unterstützt werden können.

Die Broschüre „LEADER in Thüringen. Heimat gemeinsam gestalten“ wurde vom Landesamt für Landwirtschaft und Ländlichen Raum herausgegeben und ist auf den Seiten der Thüringer Vernetzungsstelle LEADER unter https://leader-thueringen.de/aktuell/heimat_gemeinsam_gestalten___neu-24037.html abrufbar.