Am 21. März stellte die Planungsgruppe die Ergebnisse des Integrierten Ländlichen Entwicklungskonzeptes „Grünes Band Ostthüringen“ im Rathaus der Stadt Hirschberg vor. Damit kam die ein gutes Jahr andauernde Planungsphase zum Abschluss, in deren Verlauf es Dutzende intensive Gespräche mit Akteuren aus den Bereichen der kommunalen Verwaltung, des Tourismus, der Landwirtschaft- und Forstwirtschaft sowie des Naturschutzes gegeben hatte. Regelmäßig fanden Arbeitstreffen zwischen Planern und Lenkungsgruppe an wechselnden Orten statt, die sowohl für die Diskussion der Planungsarbeit als auch für informelle Gesprächsrunden geschätzt wurden.
Die auftraggebenden Gemeinden, die von Probstzella bis Hirschberg entlang des früheren innerdeutschen Grenzstreifens liegen, erhielten für die Planung finanzielle Unterstützung durch das Amt für Landentwicklung und Flurneuordnung Gera.

Welche wichtigen Ergebnisse und Empfehlungen gab es?

Die vormals weit gespannten Hoffnungen, dass das Grüne Band als herausragender Geschichts- und Naturraum ein touristischer Leuchtturm in der Region werden könne, haben sich nicht erfüllt. Mancher Traum der Nachwendezeit ist hart auf dem Boden der Realität gelandet. Die Mühen einer umfangreichen Landschaftspflege und die schleppende Entwicklung attraktiver touristischer Angebote sind Erfahrungen, die zu mehr Nüchternheit geführt haben, ohne dabei den Wert des Grünen Bandes in Frage zu stellen. Nach wie vor besteht die Erkenntnis, dass es erhebliche touristische Potenziale gibt, und dass die Gemeinden am Grünen Band über bemerkenswerte Anziehungspunkte verfügen, die umfassendere Angebote unter der Rubrik „Grünes Band erleben“ ermöglichen. Hilfreich wäre hier eine die Gemeindegrenzen übergreifende Angebotsentwicklung, die für Gäste besser wahrnehmbar ist.
Ein erhebliches Manko ist das schwache Binnenmarketing. Die Bevölkerung im Gebiet ist trotz vieler, von außen sichtbarer Entwicklungsschritte zu wenig von sich selbst und ihrer Kraft überzeugt, entfaltet nur punktuell den gesunden Stolz über die Schönheiten vor der Haustür. Das spürt der Gast. Touristische Akteure verfügen in Bezug auf das Grüne Band über unzureichende Kenntnisse; hier besteht Nachholbedarf.
Ein zentraler Projektvorschlag der Planer betrifft die Ankopplung der Gemeinden an den europäischen Radweg „Iron Curtain Trail“. Als Fernradweg soll dessen Trasse den früheren Eisernen Vorhang immer wieder kreuzen und alle Gemeinden im Planungsgebiet queren. Entlang dieser überregionalen und europaweit beworbenen Route lassen sich die „Perlen der Region“ besser vermarkten. Einige dieser „Perlen“ seien kurz genannt: Zu den Stärken Probstzellas gehören seine unterschiedlichen Museen und das Bauhaus-Hotel. Im Schieferpark Lehesten machen sich in dem weiten Gelände weitere gestalterische Maßnahmen nötig, um das Gelände attraktiver und strukturierter zu gestalten. Von Seiten der Wurzbacher Akteure bestand der Wunsch nach einer Audioguide-Tour im grenznahen Raum. Blankenstein wird den Selbitzplatz weiter entwickeln, der als „Drehkreuz des Wanderns“ ein deutschlandweit einzigartiger Knotenpunkt großer Wanderwege ist. In Blankenberg steht perspektivisch die Einrichtung eines Museums in der früheren Papierfabrik auf dem Programm. Da die Zukunft der Pferdebahn nicht gesichert ist, wurde alternativ die Einrichtung eines Radweges auf dieser Trasse erwogen, die von einigem Reiz wäre. Für Pottiga stehen die Sanierung von Abschnitten des Kolonnenweges und ein Ausbau der Wegeverbindung zwischen der Brücke an zur Blumenaumühle und der Aussichtsplattform als Ziele an. In Hirschberg schließlich könnte ein Wohnmobilstellplatz Gäste binden und zum Aufenthalt in der Region einladen. In Verbindung mit einem Museumscafé könnte so entlang des Saaleufers ein weiterer Anziehungspunkt entstehen.
Ein generelles Problem der Region sind fehlende Übernachtungskapazitäten. Blankenstein sucht nach wie vor einen Hotelinvestor für den Selbitzplatz. In Hirschberg wäre der Umbau des alten Pferdestalls der Lederfabrik zu einem Quartier für Radwanderer lohnenswert.
Allerdings taugen die besten Ideen und Vorschläge wenig, wenn sich zu wenige Akteure zu deren Umsetzung finden. Einzelaktivitäten dominieren nach wie vor. Kräfteschonender und effektiver erscheinen jedoch Kooperationen und Zusammenarbeit über Gemeindegrenzen hinweg. Für diese Bündelung, auch in der Öffentlichkeitsarbeit, wäre ein „Kümmerer“ vonnöten, eine Person, die sich langfristig und nicht über kurze Planungszeiträume hinweg mit Koordinationsarbeiten befasst und das Vertrauen der Akteure genießt. Diese Erkenntnis galt als wichtiger Konsens von Planern und Auftraggebern, da in den vergangenen Jahren das Verhältnis von Planungen und Absichtserklärungen gegenüber Umsetzung und Realisierung unausgewogen war. Die Planer wiesen schließlich auf verschiedene Fördermöglichkeiten und Kooperationspartner hin, um Projektziele umzusetzen. Und die Bürgermeister haben sich entschlossen, das erfolgreiche Instrument der Lenkungsgruppentreffen fortzuführen, da es für den gemeindeübergreifenden Austausch von hohem Wert ist.

Planungsgruppe ILEK / 22.3.2012