Das einzig Beständige ist die Veränderung. Auch Landschaften sind ständiger Veränderung unterworfen. Und je nachdem, wie der Mensch sie pflegt, entwickeln sie sich. Ob Fichtenforst oder Zwergstrauchheide, die Richtung bestimmen wir.
Am Grünen Band zwischen Hirschberg und Gräfenthal, einem Abschnitt des früheren innerdeutschen Grenzstreifens, finden sich Bach- und Flussläufe, Teiche, Wiesen, Heiden, Felshänge und Wälder von großer Schönheit, ausgestattet mit einer kostbaren Flora und Fauna. Vieles ist anerkannt schutzwürdig. Um den Schutz und die Pflege zu sichern, muss jedoch ein einträglicher Nutzen erzielt werden, der insbesondere durch touristische Angebote, durch land- und forstwirtschaftliche Unternehmen zu gewinnen ist. Das erscheint keineswegs als einfache Aufgabe, aber darin liegt ein Stück Zukunft der Region begründet.
Die vergangenen Jahre haben viele Konzepte und Planungen für die Sicherung dieser außergewöhnlichen Landschaft gesehen. Und was daraus – insbesondere im Entwicklungs- und Erprobungsvorhaben „Erlebnis Grünes Band“ – entstanden ist, kann sich sehen und auch hören lassen. Interaktive Info-Terminals stehen als Wegweiser an touristisch frequentierten Punkten zur Verfügung, auf Wanderrouten am Grenzstreifen sind Zeitzeugengeschichten und Wissenswertes zum Standort zu erfahren. Natur- und Landschaftsführer begleiten Schulklassen, Tagesgäste und Langzeitbesucher mit ihrem fachkundigen Wissen über viele Kilometer bestens ausgeschilderter Wanderwege. Dutzende Hektar jungen Waldes wurden zurückgeschnitten oder von Hand entfernt. Und allmählich beginnt das Grüne Band, ein etablierter Markenname zu werden.
Vieles ist gewachsen, anderes wächst langsam zu. Das Grüne Band bekommt schnell Knoten. Manch gute Idee blieb im Gestrüpp des Alltags hängen, manche Hoffnung zerschlug sich, mancher Akteur scheiterte an falschen Vorstellungen. Der angestrebte Dreiklang aus Naturschutz, Tourismus und Wirtschaft entsteht nicht von selbst. Diese Schlüsselerkenntnis stand am Ende des Entwicklungs- und Erprobungsvorhabens, und sie ist nach wie vor gültig.
Um aktuelle Entwicklungen und Problemlagen zu erfassen, die umfangreichen Planungsansätze zu strukturieren und bestehende Konzepte kritisch zu beleuchten, wurde nun ein Integriertes Ländliches Entwicklungskonzept (ILEK) in Auftrag gegeben. Als Auftraggeber fungiert die Kommunale Planungsgemeinschaft (KAG) „Grünes Band Ostthüringen“, Auftragnehmer sind die Thüringer Landgesellschaft und das Büro „Land-Leben-Lernen“. Ebenfalls eingebunden sind die LEADER-Aktionsgruppen der Landkreise Saalfeld-Rudolstadt und Saale-Orla, der Naturpark Thüringer Schiefergebirge/Obere Saale, die Stiftung Naturschutz und der BUND, Landwirtschaftsbetriebe, Forsteinrichtungen und touristische Akteure. Finanziell getragen wird die Planung von den beteiligten Gemeinden, ergänzt um Gelder der Europäischen Union und des Freistaats Thüringen, die durch das Amt für Landentwicklung und Flurneuordnung ausgereicht werden.
Und so wird im Jahr 2011 weiter gerungen werden: Um vielversprechende und dauerhafte Lösungsansätze für eine Offenhaltung der Flächen, um die Etablierung extensiver Landnutzer, um aktive und interaktive touristische Angebote, um pfiffige Ideen für regionale Produkte. Schöne Landschaften sind in Deutschland nicht selten. Ihre jeweilige Unverwechselbarkeit und Attraktivität muss von den Akteuren entwickelt, herausgestellt und mit breiter Brust bekannt gemacht werden. An Ideen ist kein Mangel. Die Kunst aber besteht in deren Umsetzung, in der Entwicklung zu einer hochwertigen Kulturlandschaft, die sowohl Lebensräume für seltene Tiere und Pflanzen als auch Erlebnisräume für Einheimische und Gäste bereithält.

erstellt: 6. April 2011 / Text: Hans-Joachim Petzold / Foto: Thüringer Landgesellschaft