Klaus Patzer bei der Arbeit

Seit dem 1. März hat Klaus Patzer aus Ullersreuth 10 Kilogramm abgenommen. Sein Diätprogramm ist Arbeit, genauer gesagt, Rinderzucht. So neu ist ihm diese Arbeit jedoch nicht, aber bisher betrieb er sie neben seinem Beruf als technischer Zeichner. Den Platz im Büro hat er nun für einen seiner zwei Söhne geräumt, er selbst wollte mit 55 Jahren nicht länger am Schreibtisch hocken. Dort, meint er, kämen ihm kaum noch gute Gedanken. Gute Gedanken kriegt er beim Laufen über die Weiden, beim Weidebau, beim Sensen, beim Treiben der Angusrinder, die seine Familie züchtet.

Chefin über alle Herden ist Angela Patzer. 1990 sattelte die gelernte Zahntechnikerin um, lernte Landwirtschaft und eröffnete den Betrieb mit 4 Kühen der Rasse Deutsches Angus. Nach 20 Jahren ist der Bestand auf stolze 100 Tiere gewachsen. Die Rinder sind tiefschwarz oder braun, haben glänzendes Fell und sehen einfach prächtig aus. Gutmütig im Charakter sind sie, anspruchslos in der Unterhaltung, hervorragend in der Qualität ihres Fleischs. Und weil das Fleisch so wunderbar rot in der Farbe und so zartfaserig ist, müssen sich die Ullersreuther Bauern um den Absatz nicht sorgen. Obendrein führt der Betrieb das Bio-Siegel, heutzutage ein weiterer Pluspunkt in der Vermarktung.

Die Herden stehen auf drei verschiedenen Weiden. Als Chefbullen firmieren Willi und Peter, die für das Decken und damit die Nachzucht sorgen. Wenn Peter, mehr als eine halbe Tonne schwer, auf der Weide mit den Hufen scharrt und Staubwolken aufwirbelt, könnte man befürchten, er geht zum Angriff über. Aber der Staub dient ihm einzig und allein für die Fellpflege und die Parasitenabwehr. Neben dem Herdenchef üben sich einige junge Bullen in ersten Kraftspielen. Erdreistet sich ein Jungbulle, eine rindernde Kuh decken zu wollen, gibt es kein Pardon. Dann fliegt so ein kleiner Popel schon mal beiseite, meint Angela Patzer lakonisch.

Einer der drei Weidestandorte liegt im Dorfgrund, der sich vom Südrand Ullersreuths entlang eines Bächleins bis an die Flurgrenze von Hirschberg zieht. Mitten durch die heutige Weide lief einst der Sperrzaun der Grenzanlagen, alte Betonsäulen erinnern grau daran.

In diesem Frühjahr ist die Landschaft wunderbar grün, stehen die Gräser in vollem Saft. Auf dem alten Kolonnenweg, auf Feldwegen und neuen Wanderwegen genießen Einheimische und Wanderer den Anblick der abwechslungsreichen Landschaft, die von den Rindern hervorragend gepflegt wird. Die abgeweideten Stücke sind blitzblank, kein Unkraut wuchert auf den Flächen. Einige Disteln lässt Klaus Patzer bewusst stehen, weil sie so schön blühen und dann von Schmetterlingen umschwärmt werden. Er denkt eben nicht nur an seine Rinder. Auch Schattenbäume haben die Tiere ausreichend zur Verfügung. Im letzten Zipfel der Weide, kurz vor den ersten Gebäuden Hirschbergs, kriechen sie manchmal unter eine riesige Schlehenhecke und sind dann völlig verschwunden.

Statt Grenzern stehen nun also Schotten im ehemaligen Sperrgebiet, denn das Angusrind hat seine Heimat in Schottland. Ohne diese Rinder würde der Dorfgrund verbuschen, verstellten bald Bäume die weiten Blicke. Mit den Rindern wächst nicht nur Fleisch heran, sie schaffen dem Betrachter auch eine vielfältige und attraktive Landschaft.
Die Stiftung Naturschutz, die die landeseigenen Flächen am Grünen Band verwaltet, hat im Frühjahr bei Patzers angefragt, ob diese noch weitere Flächen beweiden könnten. Zu wünschen wäre das allemal – für die Landschaft, für die Wanderer, für das Grüne Band.
Weitere Informationen zum Betrieb finden Sie auf www.naturrind-patzer.de.

Hans-Joachim Petzold / 15.06.2011